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Kinder/Schwangerschaft
Low Carb lässt Risiko für Geburtsfehler steigen

  • Autor: Carina Rehberg
  • veröffentlicht: 12.02.2018
Low Carb lässt Risiko für Geburtsfehler steigen
© istockphoto.com/fermate

Die teilweise so beliebte Low Carb Ernährung kann zu Vitalstoffmängeln führen. Sie ist daher in der Schwangerschaft ohne eine zusätzliche Nahrungsergänzung nicht zu empfehlen. Forscher zeigten, dass eine bestimmte Form der Low Carb Ernährung während der Schwangerschaft das Risiko für Geburtsfehler steigen lassen kann. Es handelt sich dabei um die sog. Neuralrohrdefekte, wie beispielsweise den offenen Rücken (Spina bifida). Laut Forschern der University of North Carolina steigt unter Low Carb das Risiko für Neuralrohrdefekte um 30 Prozent.

Geburtsfehler häufiger unter Low Carb Ernährung

Eine gute Folsäureversorgung vor der Schwangerschaft sowie in den ersten Schwangerschaftswochen soll bestimmten Geburtsfehlern (Neuralrohrdefekten, manchen Gaumenspalten, Herzfehlern) recht zuverlässig vorbeugen können. Da jedoch manche Formen der Low Carb Ernährung nur geringe Folsäuremengen liefern, steigt mit dieser Ernährungsweise das Risiko für Neuralrohrdefekte erheblich – so Forscher im Fachjournal Birth Defects Research im Januar 2018.

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Neuralrohrdefekte: Missbildungen an Wirbelsäule und Schädel

Neuralrohrdefekte sind Missbildungen des Gehirns, der Wirbelsäule und des Rückenmarks. Sie betreffen jedes tausendste Kind und entwickeln sich während der Schwangerschaft meist schon im ersten Monat.

Neuralrohrdefekte zeigen sich beispielsweise im sog. offenen Rücken (Spina bifida). Dabei schliesst sich die Wirbelsäule nicht vollständig. Im späteren Leben können die Betroffenen – je nach Ausprägung der Spina bifida – an Gehbehinderungen bis hin zu Lähmungen leiden; auch die Kontrolle von Blase und Darm kann problematisch sein.

Die schwerste Form eines Neuralrohrdefektes ist die Anenzephalie, bei der sich die Schädeldecke nicht richtig schliesst und infolgedessen Teile des Schädeldachs und des Gehirns fehlen. Kinder, die mit Anenzephalie geboren werden, sind im Allgemeinen nur wenige Tage lebensfähig.

Da Neuralrohrdefekte meist während der üblichen Vorsorgeuntersuchungen festgestellt werden, entscheidet sich die Mehrzahl der Frauen bei nicht therapierbaren Formen zur Abtreibung.

Folsäure soll Neuralrohrdefekten vorbeugen

Zahlreiche Untersuchungen aus den letzten Jahrzehnten zeigen, dass Folsäure vor Neuralrohrdefekten schützen kann. Daher entschied die FDA (US-amerikanische Lebensmittelbehörde) schon im Jahr 1998 dass alle Getreideprodukte (Mehl und Frühstückscerealien) mit 140 Mikrogramm Folsäure pro 100 Gramm Lebensmittel angereichert werden sollten. In den Folgejahren konnte dort ein deutlicher Rückgang der Neuralrohrdefekte beobachtet werden, was auf die Folsäureanreicherung zurückgeführt wird.

Vor der Folsäureanreicherung sollen in den USA 4.100 Schwangerschaften pro Jahr von Neuralrohrdefekten betroffen gewesen sein (1 von 1000 – genau wie derzeit in Deutschland; Zahlen aus der Schweiz liegen nicht vor, da entsprechende Geburtsfehler dort gar nicht registriert werden). Nach der Folsäureanreicherung sank die Zahl der Neuralrohrdefekte in den USA auf 3.000. Die Zahl der Todesfälle durch Neuralrohrdefekte sei dank der Folsäureanreicherung ebenfalls gesunken – und zwar von 1.200 pro Jahr auf 840.

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Bei Low Carb steigt Risiko für Neuralrohrdefekte

Bei einer ausgeprägten Low Carb Ernährung jedoch isst man oft kaum Gemüse und natürlich auch keine angereicherten Mehlprodukte oder Frühstücksflocken. Also sinkt der Folsäurespiegel, was nun wieder das Risiko für Neuralrohrdefekte steigen lässt, so die Hypothese von Forschern der University of North Carolina (UNC). Sie hatten Daten von über 11.000 schwangeren Frauen aus der National Birth Defects Prevention Study (1998 bis 2011) ausgewertet. 1.740 Fälle mit offenem Rücken oder Anenzephalie wurden in diesen Jahren beobachtet.

Es zeigte sich, dass jene Frauen, die sich nach den Low-Carb-Richtlinien ernährten, eine niedrigere Folsäureaufnahme hatten als andere Frauen. Gleichzeitig hatten sie ein um 30 Prozent höheres Risiko für ein Baby mit Neuralrohrdefekt.

Auch kalorienarme Ernährung kann Neuralrohrdefekte begünstigen

“Natürlich wissen wir längst, dass die Ernährung der Mutter vor und während der Schwangerschaft die Entwicklung des Embryos massgeblich beeinflusst“

sagte Dr. Tania Desrosiers, Professorin für Epidemiologie an der UNC. Möglicherweise sei es bei der Low Carb Ernährung auch die Tatsache, dass viele Frauen dabei insgesamt zu wenige Kalorien zu sich nähmen. Dies kann dann natürlich nicht nur einen Folsäuremangel mit sich bringen, sondern auch einen Mangel vieler anderer Nähr- und Vitalstoffe. Schon allein eine Ernährung mit eingeschränkter Kalorienzahl kann das Risiko für einen Neuralrohrdefekt erhöhen. (Weitere Risikofaktoren sind das Rauchen, Übergewicht, Diabetes und Medikamente gegen Epilepsie).

Zwar würden inzwischen viele Frauen zu Folsäurepräparaten greifen. Doch ist ein Grossteil der Schwangerschaften ungeplant und wird daher zu einem Zeitpunkt entdeckt, wenn es für eine Folsäuresupplementierung und Neuralrohrdefektprophylaxe längst zu spät ist.

Geburtsfehlern vorbeugen: Folsäurebedarf decken und Low Carb Ernährung meiden

Um also den genannten Geburtsfehlern vorzubeugen, ist es sinnvoll, keine extreme Form der Low Carb Ernährung zu praktizieren und darauf zu achten, den Folsäurebedarf zu decken. Da eine folsäurereiche Ernährung gleichzeitig eine sehr gesunde Ernährung darstellt, sind deren Vorteile zahlreich und beschränken sich nicht nur auf die Neuralrohrdefektprophylaxe. Eine gemässigte Low Carb Ernährung, die viele Gemüse und Salate enthält und mit z. B. Erdnüssen ergänzt wird, ist natürlich kein Problem.

Die Folsäure gehört zur Gruppe der B-Vitamine. Sie ist naturgemäss besonders in dunkelgrünem Blattgemüse und in Kräutern enthalten. Auch Kohlgemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und manche Früchte sind ebenfalls gute Folsäurelieferanten. Die natürliche Form der Folsäure heisst Folat; nur die synthetische Form wird als Folsäure bezeichnet. Der Einfachheit halber haben wir uns durchgängig für den Begriff Folsäure entschieden.

In Europa werden bislang – im Gegensatz zu den USA – nur wenige Lebensmittel mit Folsäure angereichert. Es gibt lediglich manche Müsliriegel, die eine Extraportion Folsäure enthalten oder auch mit Folsäure angereichertes Speisesalz.

Der Bedarf an Folsäure liegt für die Allgemeinbevölkerung bei 300 – 400 µg pro Tag. Schwangeren werden etwa 550 µg pro Tag empfohlen. Ideal ist bei geplanter Schwangerschaft und anschliessend in den ersten Schwangerschaftsmonaten die Kombination aus folsäurereicher Ernährung mit einem folsäurehaltigen Nahrungsergänzungsmittel.

Wie die Ernährung folsäurereich gestaltet werden kann, haben wir u. a. anhand eines beispielhaften Ernährungsplanes hier erklärt: Folsäuremangel mit der Ernährung beheben

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Zuletzt kommentiert

Mirabella schrieb am 15.02.2018

Ist dies nicht ein Fehler? Müsste das Wort "GEMÜSE" nicht durch Kohlenhydrate oder BROT ersetzt werden?

Bei einer aus­ge­präg­ten Low Carb Er­näh­rung je­doch isst man oft kaum ? GEMÜSE ? und na­tür­lich auch keine an­ge­rei­cher­ten Mehl­pro­duk­te oder Früh­stücks­flocken.

Antwort vom Zentrum der Gesundheit

Hallo Mirabella

Folsäure bzw. Folat steckt insbesondere in Gemüse. Daher stimmt das Wort hier.

Viele Grüsse

Ihr Team vom

Zentrum der Gesundheit

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