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Schulmedizin
Blinddarmentzündung häufiger nach Darmspiegelung

  • Autor: Carina Rehberg
  • veröffentlicht: 31.01.2018
Blinddarmentzündung häufiger nach Darmspiegelung
© istockphoto.com/robertprzybysz

Obwohl Blinddarmentzündungen nicht mehr so häufig auftreten als noch vor einigen Jahren, werden in Deutschland dennoch jährlich 110.000 Wurmfortsätze infolge einer Entzündung operativ entfernt. In den USA sind jährlich immerhin noch 7 Prozent der Bevölkerung von einer Blinddarmentzündung betroffen. In den meisten Fällen sind keine Ursachen bekannt, so dass die Hintergründe von Blinddarmentzündungen nach wie vor erforscht werden. Wissenschaftler entdeckten nun, dass nach einer Darmspiegelung das Risiko für eine Blinddarmentzündung deutlich steigt.

Kann eine Darmspiegelung eine Blinddarmentzündung auslösen?

Bei einer Blinddarmentzündung ist bekanntlich nicht der Blinddarm, sondern der Wurmfortsatz entzündet. Es handelt sich dabei um einen etwa 10-cm-langen wurmförmigen Fortsatz, der im rechten Unterbauch liegt. Ist die Verbindung zwischen Wurmfortsatz und Blinddarm verstopft (z. B. durch verhärteten Stuhl (Kotsteine)), kann sich der Wurmfortsatz entzünden. Natürlich kann es auch andere Entzündungsursachen geben.

Breitet sich die Entzündung aus, steigt die Gefahr eines Blinddarmdurchbruchs, der u. U. tödlich ausgehen kann. Die Blinddarmoperation ist im Allgemeinen nach 20 Minuten erledigt und sollte im Zweifel nicht aufgeschoben werden. Typische Symptome einer Blinddarmentzündung sind Übelkeit, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen und eine angespannte Bauchdecke am rechten Unterbauch. Forscher von der University of North Dakota (UND) stellten nun fest, dass die Gefahr einer Blinddarmentzündung nach einer Darmspiegelung (Koloskopie) steigen kann.

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Darmspiegelung – und kurz danach Blinddarmentzündung

„Manche meiner Patienten hatten eine Darmspiegelung in ganz unterschiedlichen Kliniken – und kurze Zeit später erlitten sie eine Blinddarmentzündung“, erklärt Dr. Marc D. Basson, Dekan der medizinischen Fakultät der UND.
„Die Patienten machten sich natürlich Gedanken und fragten sich, ob der Arzt bei der Darmspiegelung wohl irgendeinen Fehler gemacht hatte. Beides – eine Blinddarmentzündung und auch eine Darmspiegelung – tritt jedoch so häufig auf, dass auch ein rein zufälliges Zusammentreffen möglich wäre.“

Basson und sein Team untersuchten nun, ob es nicht vielleicht doch einen Zusammenhang zwischen einer Darmspiegelung und einer nachfolgenden Blinddarmentzündung geben könnte. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Januar 2018 in JAMA Surgery, einem Ableger des Journal of the American Medical Association.

Innerhalb einer Woche Blinddarmentzündung

Basson schrieb im entsprechenden Artikel, man habe Hinweise dafür gefunden, dass eine Darmspiegelung bei manchen Patienten eine Blinddarmentzündung auslösen könne – und zwar innerhalb einer Woche nach der Darmspiegelung. Ausgewertet wurden dafür die Daten von annähernd 400.000 Personen in den gesamten USA, die zwischen 2009 und 2014 eine Darmspiegelung durchführen liessen.

„In der ersten Woche nach einer Darmspiegelung war die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Blinddarmentzündung entwickelte, viermal so hoch als im übrigen Jahr“, erklärte Dr. Basson.

Wie genau eine Darmspiegelung die Entzündung des Blinddarms bzw. des Wurmfortsatzes begünstigen könnte, ist noch nicht geklärt.

Darmspiegelung könnte Entzündungsprozesse auslösen

Die Forscher vermuten jedoch, dass die Vorbereitungsmassnahmen, die vor der Darmspiegelung durchgeführt werden müssen (Abführmittel u. ä.), die Darmflora so verändern, dass sich mit grösserer Wahrscheinlichkeit Entzündungsprozesse entwickeln können. Auch während der Koloskopie könnte es zu negativen Einflüssen auf die Darmschleimhaut kommen, so dass eine nachfolgende Blinddarmentzündung wahrscheinlicher wird. Unzureichend gereinigte Endoskope könnten ebenfalls an der Problematik beteiligt sein und Fremdkeime in den Darm einschleppen.

Natürlich sollten sich Patienten nun nicht gegen eine Darmspiegelung entscheiden, wenn eine solche notwendig werden sollte. Denn auch wenn die Zahl der Blinddarmentzündungen nach einer Darmspiegelung steigt, so überwiegt nach wie vor der Nutzen einer Koloskopie. Wenn jedoch nach einer Darmspiegelung Schmerzen im Unterbauch auftreten sollten, dann zögern Sie nicht, sofort Ihren Arzt davon in Kenntnis zu setzen, um eine Blinddarmentzündung auszuschliessen.

Wir empfehlen ausserdem, nicht erst am Vortag mit den Vorbereitungen zur Darmspiegelung zu beginnen. Besser wäre es, die Wochen vor einer geplanten Darmspiegelung für ein Basenfasten zu nutzen, Schonkost zu essen oder zumindest insgesamt weniger zu essen. Wer ausserdem eine ballaststoffreiche Ernährung praktiziert, regelmässig darmreinigende Massnahmen ergreift und gelegentlich Einläufe durchführt, kann Kotsteinen vorbeugen, Entzündungsprozesse lindern und so das Risiko einer Blinddarmentzündung reduzieren.

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